Ambiguitätstoleranz: Der Schlüssel zum Verständnis & Arbeiten in einer unsicheren & widersprüchlichen Food-Welt.
(Skill 1/5 aus der Reihe „How-To Kritischer Zukunftsoptimismus“)

Unsere Ernährung wandelt sich, keine Frage. Doch vieles scheint unsicher und widersprüchlich zu sein. Wir stellen uns also immer wieder die Frage: Wo liegt denn nun die Wahrheit, die Zukunft, der Weg nach vorne?

Wir Menschen und v.a. unsere Gehirne lieben es, wenn wir Komplexität reduzieren, indem wir pauschalisieren, relativeren, Gegenteiliges ausblenden, trennen und Dinge in klarkonturierte Schubladen packen (klassisches Schwarz-Weiß-Denken). Wir werden u.a. Opfer des Essenzialismus, der Phänomene auf ihre Essenz herunterbricht und als inhärent unveränderlich abspeichert:

🥩 Fleisch vs. Plant-Based
🌍 Lokal vs. Global
🍱 Convenience vs. Do-it-Yourself
🍝 Slow vs. Fast
🥕 Natürlich vs. Synthetisch
🤖 High-Tech vs. Low- o. No-Tech
🛜 Online vs. Offline

… you name it.

Es macht Sinn, denn diese Denkweise bringt uns Menschen Ordnung und klare Grenzen in einer gänzlich chaotisch anmutenden Welt: Wir wollen einfach etwas mehr Kontrolle spüren. Doch damit sind wir im Denken und folglich Handeln extrem eingeengt und zu Stillstand verdammt, weil zwischen den Polen bzw. Ambiguitäten keine Bewegung, keine gesellschaftliche Veränderung möglich scheint.

Doch genau dort liegt die Zukunft: Zwischen Trend und Gegentrend, zwischen dem Neuen und dem Reflex des Alten – im konstruktiven Umgang mit der Irritation, der vermeintlichen Disruption am System. Wo uns Ambiguitätstoleranz das Paradoxe, Mehrdeutige anerkennen lässt, bringt uns Oszillationskompetenz zwischen gegensätzlichen Perspektiven ins Pendeln und zur kreativen Nutzbarmachung der Spannungen.

Diverse Food Trends zeigen die Auflösung klassischer Antagonismen, die gestern noch als unvereinbar galten: Local Exotics bringen exotische Kulturen auf hiesige Felder oder Global Flavors in die regionale Küche, Fast Good vereint Convenience mit höherer Gastronomie-Qualität, Hybrid Food bringt tierische und pflanzliche Komponenten zusammen und Newstalgia beschreibt das Spiel mit vertrauten Klassikern im zeitgemäßen Gewand.

Es geht nicht nur darum, Widersprüche auszuhalten, sondern sogar diese gar lieben zu lernen. Denn in der Versöhnung steckt die Zukunftssynthese. In diesem Sinne: Zukunft ist kein entweder-oder, sondern ein sowohl-als-auch.

📸: Andreas Nesslinger/MGN

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