
Ja, Essen ist ein sensibles, emotionales Thema, geht es doch auch immer irgendwo um Identität und damit Selbstwahrnehmung. Doch gefühlt ist der aktuelle gesellschaftliche Diskurs über das was auf unseren Tellern und woher es gekommen ist so gespalten und verhärtet wie lange nicht. Allein die Tatsache, dass sich ein beträchtlicher Teil der Menschen in Deutschland durch die Ernährung anderer persönlich angegriffen fühlt, sollte uns zu Denken geben. Time to burst some bubbles!
Dabei leiden viele Diskursthemen an der false polarization, d.h. wenige laute Stimmen der politischen Ränder verstärken medial eine vermeintliche gesellschaftliche Spaltung, wobei es eigentlich einen breiten Grundkonsens gibt. Denn in Sachen Grundwerte wie Gerechtigkeit, Gesundheit oder Nachhaltigkeit (unserer Ernährung) sind wir uns arg einig, doch in der konkreten praktischen Umsetzung herrscht Uneinigkeit (und eher eine zerklüftete Konfliktlandschaft als eine Zwei-Lager-Gesellschaft).
Transformationen entstehen aus Trend-Gegentrend-Dynamiken, systemischen Spannungsfeldern, und hier offenbart sich nun ein Weg in die Co-Society mit Ernährung als Motor. Wie Matthias Horx so schön sagt: „Zukunft liegt dort, wo sich die Paradoxien, die Antagonismen, zugunsten einer höheren Integration aufheben lassen.“ Und wenn Polarisierung auf Vergemeinschaftung trifft, ist ein neues tolerierendes Miteinander der Weg in die Zukunft. Essen war seit jeher ein sozialer Akt und kann und muss es wieder werden – unabhängig davon, was letztlich auf dem Teller landet.
In meinen Vorträgen versuche ich im Hinblick auf die aktuellen Trends & Entwicklungen der Food-Branche (v.a. in punkto Szenarien zum Konsum tierischer Produkte von morgen) Zukunft immer als Versöhnungsraum zu zeichnen – es geht hier eben nicht um ein entweder-oder, sondern ein sowohl-als-auch. Und die vermeintlichen Dauerbrenner-Dualismen unserer Ernährungsgegenwart (Fleisch vs. Plant-Based, natürlich vs. synthetisch, global vs. lokal, Hightech vs- No-Tech, Convenience vs. DIY, etc.) zeigen uns ja nur, dass in der Komplettierung und Synthese der Weg nach vorne liegt.
Deshalb meine Bitte an alle Menschen, die sich mit Ernährung beschäftigen und hier Zukunft (mit-)gestalten wollen:
▫️ Mehr intellektuelle Demut (man kann nicht alles wissen),
▫️ epistemische Motivation (wissbegierig und neugierig bleiben),
▫️ Ambiguitätstoleranz (Widersprüche aushalten können) sowie
▫️ Möglichkeitsintelligenz (sich „Was wäre wenn?“ fragen).
▫️ & eine Grundoffenheit (weniger eintönige Bratwürstchen-Selfies posten).
📸 The Future:Project, Zukunftssalon Food




42% der Deutschen fühlen sich gar durch andere Ernährungsstile angegriffen.