Vergangene Woche fand in Hamburg bei der Rügenwalder Mühle ihr bereits 3. Inspiration Day und ich wurde für einen Zukunftsimpuls eingeladen. Mein Vortragsthema: How-to kritischer Zukunftsoptimismus. Oder wie es Lena Papasabbas von Future:Project gerne sagt: Keine Zukunft ohne (radikale) Zuversicht.
Im Gepäck hatte ich einen kognitiven Werkzeugkasten, der die für mich gerade essentiellen mentalen Fähigkeiten in einer chaotischen, widersprüchlichen und mitunter ohnmächtig-machenden (Food-)Welt beinhaltet:
- Intellektuelle Demut („Du kannst nicht alles wissen“) beschreibt die Fähigkeit, die eigenen Wissensgrenzen zu erkennen, aber gleichzeitig offen für neue Informationen & Perspektiven zu bleiben und regelmäßig eigene Überlegungen zu challengen. Und das ist nicht nur individuelle Tugend, sondern sozialer Katalysator für einen konstruktiven gesellschaftlichen Diskurs.
- Epistemische Motivation („Du kannst neugierig & wissbegierig sein“) meint die kontinuierliche Horizonterweiterung durch eine Grundoffenheit gegenüber Neuem, der „Gier“ nach Neuem. Raus aus der vermeintlichen Sicherheit, rein in den proaktiven Tanz mit dem Unbekannten, denn Sicherheit ist der Wunsch, jetzt klüger zu sein als danach; Neugier ist der Wunsch, danach klüger zu sein als zuvor.
- Möglichkeitsintelligenz („Du kannst dich „Was wäre wenn?“ fragen“) handelt von der Bereitschaft, sich mit dem gerade nicht Sichtbaren, aber grundsätzlich Möglichen zu beschäftigen; sowohl retroperspektiv, um aus Fehlern zu lernen, als auch prospektiv, um bspw. auf einem gänzlichen weißen Blatt Papier ein besseres morgen zu imaginieren.
- Ambiguitätstoleranz („Du kannst Widersprüche aushalten“) beschreibt die Fähigkeit, Unsicherheit und Widersprüche nicht nur auszuhalten, sondern lieben zu lernen, denn in der Versöhnung offensichtlich paradoxer Alltagsphänomene schlummert die Zukunftssynthese.
- Moralische Ambition („Du kannst an die Welt denken; nein – du sollst“), populär gemacht durch Rutger Bregman, ist der Wille, die Welt zu verbessern, indem man Talent & Karriere den wichtigsten gesellschaftlichen Problemen der Zeit widmet – eine Kombination aus Werten & Tatkraft oder wie man den Idealismus von Aktivist:innen mit dem Ehrgeiz von Unternehmer:innen zusammenbringt.
Es hat mich gefreut, bei einem derart spannenden Unternehmen (das wie sehr wenige als Best Practice für Transformation steht) neben anderen spannenden Impulsgeber:innen einen Beitrag für einen konstruktiveren, ja kritisch-optimistischeren Umgang mit Zukunft geben zu dürfen.
Reflexive Zukunftskompetenz kommt nicht einfach so, aber belohnt auf lange Sicht ungemein.



