Wie schaffen wir den „Veggie-Turnaround“?

Gestern Abend durfte ich beim Crunch Connect Networking Event von Rijk Zwaan in Berlin einen Keynote Talk zu den Herausforderungen und Chancen für mehr Gemüse-Konsum vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels halten.

Natürlich kommt einem bei dem Thema zuballerst die Mind-Do-Gap in den Sinn: Alle wollen sich gesünder ernähren, doch selten folgt das Verhalten dem Bewusstsein und so bleibt der Gemüsekonsum auf der Strecke und unter den offiziellen Empfehlungen.

Die Gründe:

  • Convenience Gap: Gemüse bedeutet mehr Aufwand & Zeit
  • Taste Gap: (Hoch)Verarbeitetes schmeckt oft besser
  • Inspiration/skill Gap: „Wie kann ich Gemüse spannend zubereiten?“
  • Value Perception: Sorge um schnellen Verderb & geringeres Sättigungsgefühl
  • Kulturelle Normen: Gemüse wird zu oft noch nur als Beilage gesehen

Doch die Ernährung wandelt sich und diverse Trends spielen (potentiell) dem Gemüse in die Karten:

  • Megatrend Gesundheit: Fokus auf Funktionalität & Selbstoptimierung (v.a. GLP-1) machen nährstoffreiche & unverarbeitete Lebensmittel wichtiger
  • Plant-Based-Upgrade: Alternativprodukte werden zunehmend cleaner und Gemüse landet auf Zutatenlisten (bspw. traditionelle Pilzfermentation mit Gemüse & Hülsenfrüchten)
  • Retro-Nostalgie: Aufgrund einer zunehmend durch Omnikrisen überfordernden sowie KI entfremdenden Gegenwart gibt es ein Bedürfnis nach traditionellen Tätigkeiten (Backen, Einmachen, Gärtnern, etc.) und Speisen & Getränken für weniger gefühlten Kontrollverlust und mehr Orientierung & Stabilität.
  • Virale  Food Hypes werden oft von Gemüse getragen (Baked Onions, Smashed Potatoes, Cauliflower Wings, Cucumber Salad, etc.)

Für mich ergeben sich hierdurch folgende Aufgaben für Produktion, Handel & Gastronomie:

  • Accessibility: Veggies müssen nicht nur im Supermarkt, sondern auch an Bahnhöfen, Tankstellen usw. angeboten werden
  • Convenience: Sowohl Ready-to-Eat- (Snacking!), als auch Ready-to-Cook-Angebote (pre-prepped, -cut, etc.) müssen es Konsument:innen einfacher machen
  • Healthfullness: Gemüse muss die Antwort auf Selbstoptimierungsbedürfnisse sein u. nicht nur allgemein gesund, sondern mit Special Benefits daherkommen
  • Culinarity: Veggies müssen „cravable“ werden und durch kreative Inszenierung (Textur, Flavors, Kommunikation etc.) neue Geschmackwelten eröffnen
  • Emotionality: Veggies zu essen sollte sich nicht nach rationaler Pflicht, sondern Identität, Lifestyle & Selbstfürsorge anfühlen

Der größte Hebel für ein Veggie-Upgrade wäre natürlich eine Systemänderung u. damit Maßnahmen wie mehr Gemüse in der öffentlichen Außer-Haus-Verpflegung (bspw. höhere Quotas in Kantinen & Mensen, Plant-Forward Gerichte „by default“) oder finanzielle Anreize (MwSt.-Senkungen, True Costs mit Social Kickback, etc). Doch bis wir die Box der Pandora mit progressiver Politik öffnen liegen im Angebot und „Produktdesign“ noch viel Potential.

Danke an Kerstin für die Einladung und das schöne Event! Ich bin gespannt, was in der nächsten Zeit so alles aus eurer Energie entsteht und freue mich schon auf das Wiedersehen in Berlin 🙂

 

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Photo by Nathan Dumlao on Unsplash

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