Reisen und Essen sind seit jeher untrennbar miteinander verbunden und ermöglichen vielleicht so unmittelbar wie kein anderer Lebensbereich das Eintauchen in andere Kulturen. Seit 2001 und der erstmaligen Erwähnung und eingehenden Untersuchung von Erik Wulf (Gründer der World Travel Association) gibt es den Begriff Food-Tourismus, der sich fortan in kurzer Zeit zu einem Blockbuster-Tourismussegment mausert.
Nicht zuletzt aufgrund einer intensiven Thematisierung in der Popkultur, diversen Serien- und Dokuformaten (von Travel Channels „Anthony Bourdain: No Reservation“ zu Netflix’ „Somebody feed Phil“) sowie Social-Media-Inszenierungen (Foodie-Influencer:innen) & Travel-Blogs gewinnt das Phänomen Food-Tourismus an Popularität und steigert die „I want to eat there“-Nachfrage.
„Food tourism is the act of traveling for a taste of place in order to get a sense of place.“, definiert es die World Travel Association und meint damit die „Erschmeckbarmachung“ eines Ortes, die eine deutlich umfassendere sinnliche Erfahrung ermöglicht. Klar, geht es beim Essen auch immer um Identität, Emotion und Kultur. Und immer mehr Menschen sehen hier einen, wenn nicht sogar den wichtigste Faktor, um den es beim Reisen gehen sollte.

- 50% der Reisenden weltweit reservieren Restaurants vor ihrem Abflug (Hilton, 2025).
- 45% der Deutschen berücksichtigen in 2025 das kulinarische Angebot bei ihrer Urlaubsreise; im Jahr 2015 lag dieser Wert noch bei 22% (Gastronomie-Magazin, 2025).
Und so liegt es auf der Hand, dass die Kulinarik und die mit ihr verwandten Wirtschaftsbereiche von Tourismus über Gastronomie bis hin zur Erzeugung & Handel immer häufiger als Motor für die Regionalentwicklung verstanden und dementsprechend gefördert werden.
- 83% glauben, dass kulinarische Erlebnisse die langfristigste Reputation einer Region prägen
- 81% glauben, dass sie durch Kulinarik mehr über die lokale Kultur erfahren
- 82% geben währen ihrem Urlaubstrip mehr Geld für Essen & Trinken aus (Food Inspiration Magazine, 2025)
Doch im Vergleich zu früher gibt es heutzutage in Zeiten von Omnikrisen und einem mitunter dauergestressten und sorgenerfüllten Alltag einen entscheidenden Unterschied beim Urlauben: Reisende sind heute mehr als nur Zuschauer – sie wollen hinter die Fassade schauen, etwas lernen und gerne auch mitmachen. Ganz gleich, ob es sich um ein lokales Handwerk oder eine neue kulinarische Fähigkeit handelt: Immer mehr Menschen suchen beim Reisen nach Erlebnissen, die ihnen ermöglichen, auf ganz tangible, greifbare Weise mit der besuchten Kultur in Verbindung zu treten. Food-Tourismus wird so gesehen zum Unterwegs-Resonanzpunkt.
Die New York Times prophezeite Anfang diesen Jahres in ihrem alljährlichen Food-Trend-Ausblick: „The hottest trend in hospitality will be hospitality“ und bezieht sich damit auf das Essentiellste, was Gastronomie als „People Business“ ausmacht bzw. ausmachen sollte: Gastfreundschaft. Menschen sehnen sich nach warmer, herzlicher Gastfreundschaft – gerade in Zeiten, wo Depressionen und Isolation sowie Einsamkeit aufgrund einer dauerverrückten Welt zunehmen.
Darüber durfte ich letzte Woche beim meinem Vortrag „Reise zum Genuss – Kulinarik & Tourismus in Zeiten gesellschaftlichen Wandels“ beim 1. NÖ KULINARIK-SYMPOSIUM, organisiert von EcoPlus in Niederösterreich sprechen. Vielen Dank für die Einladung und die spannenden Diskussionen!



